Blutdruckmessung mit einer Oberarmmanschette
Herz-Kreislauf und Vorsorge

Blutdruck richtig messen: So vermeiden Sie häufige Fehler

Blutdruckmessen wirkt unkompliziert: Manschette anlegen, Startknopf drücken, Werte ablesen. Doch schon eine ungeeignete Manschette, eine falsche Sitzhaltung oder fehlende Ruhe vor der Messung können das Ergebnis beeinflussen. Wer seinen Blutdruck zu Hause kontrolliert, sollte deshalb einige grundlegende Regeln beachten.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie Sie Ihren Blutdruck richtig messen, welche Fehler häufig vorkommen und wann auffällige Werte ärztlich abgeklärt werden sollten.

Wichtig: Eine einzelne Messung erlaubt keine Diagnose. Ändern oder pausieren Sie verordnete Medikamente niemals aufgrund eigener Messwerte, sondern nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Warum ist eine korrekte Blutdruckmessung wichtig?

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf. Bewegung, Aufregung, Schmerzen und andere Einflüsse können ihn vorübergehend verändern. Deshalb ist ein einzelner Wert nur eine Momentaufnahme.

Regelmäßig und unter vergleichbaren Bedingungen gemessene Werte ergeben ein wesentlich aussagekräftigeres Bild. Sie können dabei helfen,

  • einen möglichen Bluthochdruck zu erkennen,
  • den Verlauf einer bestehenden Erkrankung zu beobachten,
  • die Wirkung einer verordneten Behandlung zu beurteilen und
  • auffällige Veränderungen frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.

Voraussetzung dafür ist, dass Messgerät, Manschette und Messablauf zu Ihnen passen.

Blutdruck richtig messen: Schritt für Schritt

1. Ein geeignetes Messgerät verwenden

Nutzen Sie möglichst ein klinisch validiertes Blutdruckmessgerät. Für viele Menschen sind automatische Oberarmgeräte besonders gut geeignet. Handgelenkgeräte können ebenfalls verlässliche Werte liefern, reagieren aber empfindlicher auf eine falsche Haltung.

Entscheidend ist auch die Manschettengröße: Eine zu kleine oder zu große Manschette kann die Messwerte verfälschen. Die Manschette muss zum Umfang Ihres Oberarms beziehungsweise Handgelenks passen.

2. Vor der Messung zur Ruhe kommen

Setzen Sie sich vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig hin. Telefonieren, sprechen oder tippen Sie in dieser Zeit nicht. Auch körperliche Anstrengung unmittelbar vor der Messung kann den Blutdruck vorübergehend erhöhen.

Versuchen Sie, möglichst immer unter ähnlichen Bedingungen und zu vergleichbaren Tageszeiten zu messen.

3. Die richtige Sitzhaltung einnehmen

Setzen Sie sich entspannt auf einen Stuhl:

  • Rücken anlehnen,
  • beide Füße flach auf den Boden stellen,
  • Beine nicht übereinanderschlagen,
  • Arm entspannt auflegen und
  • während der Messung nicht sprechen oder sich bewegen.

Die Messstelle muss sich auf Herzhöhe befinden. Bei einem Oberarmgerät ergibt sich das bei korrekt aufgelegtem Arm meist automatisch. Bei einem Handgelenkgerät muss das Handgelenk bewusst auf Herzhöhe gehalten werden.

4. Die Manschette korrekt anlegen

Legen Sie eine Oberarmmanschette auf nackter Haut an – nicht über Hemd, Bluse oder Pullover. Sie sitzt etwa zwei Querfinger oberhalb der Ellenbeuge. Ein hochgeschobener, enger Ärmel darf den Oberarm nicht abschnüren.

Die Manschette sollte sicher anliegen, aber nicht zu fest sitzen. Beachten Sie zusätzlich die Anleitung des jeweiligen Herstellers.

5. Mehrfach messen

Führen Sie zwei Messungen im Abstand von mindestens einer Minute durch und notieren Sie beide Werte. Bei einer standardisierten Messung in der Apotheke werden nach einer Ruhephase drei Messungen vorgenommen; für die Beurteilung wird der Mittelwert aus der zweiten und dritten Messung verwendet.

Wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihnen einen konkreten Messplan gegeben hat, halten Sie sich an diese Vorgabe.

6. Werte dokumentieren

Notieren Sie neben dem oberen und unteren Blutdruckwert auch Puls, Datum und Uhrzeit. Hilfreich können außerdem kurze Hinweise sein, etwa zu Beschwerden, einer ungewohnten Belastung oder einer vergessenen Medikamenteneinnahme.

Ein Blutdrucktagebuch macht Entwicklungen sichtbar und erleichtert die Besprechung in der Arztpraxis oder Apotheke.

Die häufigsten Fehler beim Blutdruckmessen

Viele unplausible Messwerte entstehen durch vermeidbare Anwendungsfehler:

  • Keine Ruhephase: Direkt nach Treppensteigen, Sport oder Aufregung kann der Wert erhöht sein.
  • Sprechen oder Bewegen: Beides kann die Messung beeinflussen.
  • Falsche Armhaltung: Liegt der Messpunkt nicht auf Herzhöhe, können falsche Werte entstehen.
  • Unpassende Manschette: Größe und Sitz der Manschette sind entscheidend.
  • Messung über der Kleidung: Stoff unter der Manschette kann die Messung beeinträchtigen.
  • Übereinandergeschlagene Beine: Die Sitzhaltung ist dann nicht optimal.
  • Nur eine einzelne Messung: Wiederholte Messungen sind meist aussagekräftiger.
  • Ständig wechselnde Bedingungen: Unterschiedliche Zeiten und Situationen erschweren den Vergleich.

Wenn Ihre Werte zu Hause stark schwanken oder nicht zu den Messungen in der Arztpraxis passen, bringen Sie Ihr Gerät gerne zur Beratung mit. So lassen sich Anwendung und Plausibilität gemeinsam prüfen.

An welchem Arm sollte man den Blutdruck messen?

Bei der ersten Beurteilung ist es sinnvoll, den Blutdruck an beiden Armen zu messen. Zeigt sich wiederholt ein Unterschied, sollte künftig der Arm mit den höheren Werten verwendet werden.

Deutlich unterschiedliche Werte zwischen beiden Armen sollten ärztlich abgeklärt werden. Wechseln Sie bei der regelmäßigen Kontrolle nicht ständig den Arm, da das den Vergleich erschwert.

Wann und wie oft sollte man Blutdruck messen?

Wie häufig eine Messung sinnvoll ist, hängt davon ab, warum Sie messen. Für eine gelegentliche Kontrolle gelten andere Empfehlungen als bei neu festgestelltem Bluthochdruck oder nach einer Änderung der Medikamente.

Für ein aussagekräftiges häusliches Blutdruckprofil wird häufig über mehrere Tage morgens und abends gemessen – jeweils zweimal mit kurzem Abstand. Den genauen Zeitraum und die passenden Messzeiten sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abstimmen.

Wer blutdrucksenkende Medikamente einnimmt, sollte außerdem klären, ob morgens vor der Einnahme gemessen werden soll. Messen Sie nicht in sehr kurzen Abständen immer wieder nach, solange dafür kein medizinischer Grund besteht. Das kann verunsichern und die Werte durch zunehmende Anspannung zusätzlich beeinflussen.

Was bedeuten der obere und der untere Wert?

Ein Blutdruckwert besteht aus zwei Zahlen, beispielsweise 128 zu 82 mmHg:

  • Der systolische Wert zeigt den Druck, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt.
  • Der diastolische Wert zeigt den Druck, wenn der Herzmuskel zwischen zwei Schlägen entspannt.

Welche Werte für Sie persönlich angestrebt werden, hängt unter anderem von Alter, Vorerkrankungen, Medikamenten und Ihrem allgemeinen Gesundheitszustand ab. Individuelle Zielwerte sollten deshalb ärztlich vereinbart werden.

Als Orientierung gilt: Liegen Ihre selbst gemessenen Werte wiederholt bei 135/85 mmHg oder darüber, sollten Sie dies ärztlich besprechen. Ein einzelner erhöhter Wert bedeutet jedoch noch nicht, dass Bluthochdruck vorliegt. Zur Diagnose sind wiederholte Messungen, häufig auch eine 24-Stunden-Messung, erforderlich.

Wann ist schnelle medizinische Hilfe erforderlich?

Steigt der Blutdruck plötzlich über 180/110 mmHg, bewahren Sie zunächst Ruhe. Wenn keine schwerwiegenden Beschwerden bestehen, setzen Sie sich hin und messen Sie nach etwa 30 Minuten erneut. Bleiben die Werte sehr hoch oder halten Beschwerden an, kontaktieren Sie Ihre Arztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117.

Rufen Sie bei sehr hohem Blutdruck und möglichen Notfallzeichen sofort den Rettungsdienst unter 112. Dazu gehören beispielsweise:

  • Atemnot,
  • starke Brustenge oder Brustschmerzen,
  • Verwirrtheit,
  • Lähmungen,
  • Seh- oder Sprechstörungen,
  • Krampfanfälle oder
  • Bewusstlosigkeit.

In der Schwangerschaft sollten stark erhöhte Blutdruckwerte unverzüglich ärztlich abgeklärt werden. Wenn Sie unsicher sind oder sich deutlich unwohl fühlen, holen Sie ebenfalls zeitnah medizinischen Rat ein.

Bluthochdruck-Risiko online einschätzen

Sie möchten sich zunächst mit möglichen Risikofaktoren beschäftigen? Der digitale Bluthochdruck-Test der Rathaus-Apotheke bietet Ihnen eine erste Orientierung.

Bluthochdruck-Test starten

Der Test ersetzt weder eine Blutdruckmessung noch eine ärztliche Diagnose. Er kann aber ein sinnvoller Anlass sein, die eigene Herz-Kreislauf-Gesundheit bewusster in den Blick zu nehmen und offene Fragen anschließend persönlich zu klären.

Standardisierte Blutdruckmessung in der Apotheke

Menschen mit ärztlich diagnostiziertem Bluthochdruck und mindestens einem verordneten Blutdruckmittel können unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf die pharmazeutische Dienstleistung „Standardisierte Risikoerfassung hoher Blutdruck“ haben.

Dabei kommen Sie zunächst fünf Minuten zur Ruhe. Anschließend messen wir Ihren Blutdruck dreimal im Abstand von jeweils ein bis zwei Minuten. Aus der zweiten und dritten Messung wird ein Mittelwert gebildet. Auf dieser Grundlage erhalten Sie eine persönliche Einordnung und – falls erforderlich – die Empfehlung zur weiteren ärztlichen Abklärung.

Für anspruchsberechtigte gesetzlich Versicherte übernimmt die Krankenkasse die Kosten in der Regel einmal innerhalb von zwölf Monaten. Nach einer Änderung der blutdrucksenkenden Medikation kann die Leistung frühestens zwei Wochen nach Einlösung der neuen Verordnung erneut möglich sein.

Sprechen Sie uns an – wir prüfen gerne gemeinsam mit Ihnen, ob die Voraussetzungen erfüllt sind und wann eine Messung sinnvoll ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kommen Sie vor der Messung mindestens fünf Minuten zur Ruhe.
  • Sitzen Sie entspannt und halten Sie die Messstelle auf Herzhöhe.
  • Verwenden Sie eine passende Manschette auf nackter Haut.
  • Messen Sie zweimal im Abstand von mindestens einer Minute.
  • Dokumentieren Sie Ihre Werte unter vergleichbaren Bedingungen.
  • Lassen Sie wiederholt auffällige Werte ärztlich abklären.
  • Ändern Sie Blutdruckmedikamente niemals eigenständig.

Eine korrekt durchgeführte Selbstmessung liefert wertvolle Informationen. Sie ersetzt jedoch nicht die ärztliche Diagnose – und bei Unsicherheit ist eine fachlich begleitete Messung der bessere nächste Schritt.

Quellen